Es geht endlich wieder raus aus Deutschland. Zwölf Stunden später am Zielflughafen raus aus dem Flieger: ein Schritt, zwanzig Grad Temperaturanstieg. Willkommen in Bangkok! Durch das immerwährende Verkehrschaos der Stadt geht es zum Hotel am Chayo Phraya. Ein Zimmer im 24. Stock bringt einen fantastischen Blick über die Stadt am Fluss, in der fast alles möglich scheint: Nationen und Religionen mischen sich, erschreckende Armut trifft auf unverschämten Reichtum, Kulturen und Werte prallen aufeinander oder verschmelzen, dazwischen immer wieder die strahlende Schönheit der Tempel und Paläste. Für ein paar Tage tauchen wir ein in das Leben der Stadt: Museen, Parks, Thai-Massage, Kunst-Event in einer Fabrik, Essen immer und überall. Es gibt viel mehr Möglichkeiten als Zeit. Ein paar Tage Zwischenstopp auf Koh Samet. Eine Insel, die bei uns keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Und dann sind wir endlich wieder bei der Familie in Trang. Gut möglich, dass die Buddhisten auch hier im Süden von Thailand – so wie fast überall in Land –  in der Mehrheit sind. Das öffentliche Bild prägen jedoch die Muslime. Daheim warten Mutter, Vater und zwei Schwestern mit Kindern auf uns. Wie immer bekommen wird das kleine, extra angebaute Zimmer für uns. Jeden Tag in Flip-Flop und kurzen Hosen. Laufen will bei der Hitze hier aber niemand, lieber Motorroller fahren – zum Shopping, zum Essen. Papaya Salat, Banana Pancake, Obst, Kaffee mit Eiswürfeln. Eiswürfel gibt es sowieso immer und überall. Und Durian, die „Königin der Früchte“. Die Frucht, die in Hotels und Mietwagen verboten ist, weil sie so intensiv riecht. Wer sie nicht probiert, wird nicht glauben, dass sie tatsächlich so lecker schmeckt. Koh Mook ist die zweite Insel in diesen Tagen. Fast ein Stück vom Paradies mit Palmen, Strand, Meer:  Am ersten Abend mit neun Personen in zwei Motorrad-Beiwagen-Taxi ans andere Ende der Insel und ein fantastisches Essen auf den Felsen über dem Meer. Am zweiten Abend eine schlechte Flasche Wein zu überteuertem Preis. Zurück in Trang werden wir Trikot-Sponsor der Volleyball-Mannschaft aus dem Dorf. Es ist ein gemischtes Team, Männer und Frauen, einige schwule Jungs. Ein Ladyboy ist der Topspieler mit einem beeindruckenden Aufschlag und stark am Netz. Vier Spiele, vier Siege. Alles ist möglich und wir sind stolz auf „unser“ Team. Für die Kinder viel interessanter als dieses bunte Volleyball-Team ist der „Farang“, der Weiße. In diesem Landesteil sieht man selten Touristen. Die mutigen Jungs und Mädchen sagen „Hello“ und rennen lachend weg, wenn ich versuche mit meinen wenigen Worten thailändisch zu antworten. Auf dem Handy schaue ich hin und wieder die Nachrichten aus der Heimat durch: Immer wieder das Leid der Flüchtlinge und die Hilflosigkeit Europas damit umzugehen. Grün und Schwarz verhandeln in Baden-Württemberg über eine neue Regierung. Das hätte sich die CDU vor ein paar Jahren auch noch nicht träumen lassen. Und die „Staatsaffäre Böhmermann“ liefert ein seltsames Trauerspiel von Politik und Medien. Auch zuhause ist einiges möglich. Statt europäischen Neuigkeiten bringe ich jedoch Spiele mit nach Thailand. Kartenspielen mit den Kindern ist Tradition bei unseren Besuchen: UNO funktioniert überall auf der Welt. Aber auch „Hornochsen“ und eine thailändische Variante von „Monopoly“ gehören mittlerweile zu unserem Repertoire. Nur als die Tante aus einer der benachbarten Hütten nachts in Krankenhaus muss, weil Bluthochdruck und Hitze ihr nicht bekommen sind, fällt das Kartenspielen aus. In der lokalen Klinik vertreiben sich Angehörige und Mitarbeiter die Wartezeit mit der Beobachtung einer Katze, die im offenen Gang mit einem Frosch spielt. Zuhause kommt nach und nach immer mehr Familie an. Jetzt sind fünf von sechs Geschwistern mit ihren Kindern da. Der Fernseher läuft, die Kinder machen Lärm und die zahlreichen Ventilatoren brummen ununterbrochen. Und dann steuert alles sehr schnell auf den nächsten Höhepunkt zu: ein Lamm-Curry zum Familientreffen. Vormittags fahren wir mit der Mutter auf den Markt. Die Hälfte der Dinge, die hier verkauft werden, kenne ich nicht. Knapp zwei Drittel würde ich nach den kulinarischen Abenteuern der letzten Wochen heute Vormittag auch nicht probieren wollen. Dann zurück, Vater und Mutter kochen in einer großen Schale auf dem offenen Feuer, alle helfen bei den Zutaten. Ein Onkel beginnt in einer Ecke des Raums ein Gebet. Dann beten der Onkel und der Vater gemeinsam. Die Kinder machen Faxen. Die Erwachsenen schauen schweigend zu und erheben dann die Hände zum Segen. Ich auch. Obwohl ich kein Wort verstehe. Aber es geht wohl um die Familie, um Gesundheit und um Dank.

Da sitzen mein Partner und ich der großen Runde seiner Familie und Nachbarn beim muslimischen Gebet. Und essen für meinen Geschmack viel zu scharfes Lamm. Und Mango mit Klebreis. Und es geht mir richtig gut.

Oft sind diese Tage auch anstrengend. Gar nicht sonnig, bunt und harmonisch wie in diesen Zeilen und auf den Urlaubs-Fotos. Als Männerpaar erleben wir auch Verunsicherung und Ablehnung. Hin und wieder bin ich einfach überfordert. Aber mit der Zeit nähert sich die Erinnerung den schönen Fotos an. Und es wächst das Gefühl: Zwischen den Kulturen, den Religionen, den Menschen ist vieles möglich.

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